"Sehr geehrte Grubenführer..."????
Da muss irgendwas falsch gelaufen sein.Kann nicht sein.Nochmal.
"Sehr geehrte Grubenführer..."
Scheisse.
Einuhrdreissig,Demian wartet auf die Kasse der hoteleigenen Diskothek,um den Tagesabschluss zu tätigen.Wie gewöhnlich wird dies das Highlight seiner allnächtlichen Tätigkeit ,Einnahmen in Höhe der jährlichen Kosten,die eine Kühlschrankinnenbeleuchtung verursacht, sind keine Seltenheit und so freut sich Demian schon auf die zu erwartenden Geld- und Belegmengen,die ihm weitere zweieinhalb Minuten Arbeit verursachen werden.Hat sich, was kaum zu befürchten sein wird, mehr als ein Gast pro Stunde dorthin verirrt,können's auch 3 Minuten werden.
Um der aufkommenden Panik ob solch scheinbar unbezwingbarer Aufgabenflut entgegenzuwirken,hat Demian es sich gemütlich gemacht, Schweizer-Pop-Radio-Gedudel gegen wachhaltendes Gitarrengequietsche und -gejaule getauscht,die Lichtbilder der Gästeausweise auf brauchbare Single-Frauen gecheckt, geraucht, gelesen, geraucht , geschrieben, die Bekanntschaft mit Emails beglückt und schlussendlich wieder geraucht, als das Telefon klingelt,das Display zeigt einen hausinternen Anruf,der Nummer nach der Kollege des anderen Gebäudekomplexes.
"Na du altes Haus,was kann ich für dich tun?" trällert Demian in den Hörer.
Kurze Pause am anderen Ende. "Jaaa, guten Abig, Herr Dämjan, Stützi hier"
Stützi?Der Stützi?Direktor Stützi?
"Äh ja,Herr Stützi,lassen Sie mich die Frage umformulieren : Was kann ich für Sie tun, altes Haus?"
Das alte Haus schildert daraufhin in einem kurzen Abriss seinen Tag, den zu erwartenden ebenso, macht bedeutungsvolle Pausen zwischen den Schilderungen, scheint herausfinden zu wollen, inwiefern er damit beim Gegenüber Einduck oder Wirkung erzeugt, und kommt letztendlich dann doch mal zu seinem Anliegen, welches, hat ihn Demian zwischenzeitlich wissen lassen, ja sicher nicht aus nächtlicher Konversation mit dem anderen Ende der Nahrungs- und Verteilungskette besteht.
Eine Übersetzung möcht's denn sein,sofern es dem Herrn Demian nicht an Zeit mangele und seine Spanisch-Kenntnisse ihn dazu befähigten.
Ob's denn deutsch-spanisch oder eher spanisch-deutsch sein solle, erfragt der Herr Demian dann doch zur Vorsicht noch, vermutet er, nicht zu Unrecht, Besonderheiten helvetischer Ausdrucksweise und überhaupt sei's ihm viel lieber, sollte sich das zu Übersetzende im Spanischen befinden, was die Angelegenheit ungemein vereinfachen würde.
Kann man ja viel besser tricksen und mangelnde Genauigkeit durch literarischen Einfallsreichtum ersetzen.Und sprachliche Mängel kaschieren.Sagt er dem alten Haus natürlich so nicht,damit es nicht auf die Idee kommt,Demian hätte bei Einstellung den tatsächlichen Grad seiner Spanischkenntnisse falsch dargestellt.Man ist ja noch in der Probezeit.
Spanisch sei's,jawohl,und ausserdem ganz einfach,weil keine Fachbegriffe aus dem Bereich des Tief-, Hoch-, und Gartenbauwesens, - Gegenstand des zu Übersetzenden-, darin vorkämen.
Na denn mal her damit. Man einigt sich auf Austausch der Schriftstücke per Email und nach Erledigung der Pflicht, man erinnere sich an den Tagesabschluss, folgt sogleich die Kür, welche schon im vorhinein Abzüge im künstlerischen Ausdruck erwarten lassen wird, ist das Ganze -natürlich- auf Deutsch oder was der Eidgenosse dafür hält.
Gut, Demian hat es ja verstanden, frühkindliche Stürze von der Wickelkommode durch geschicktes Abrollen zu verharmlosen, ist demnach nicht allzu doof und demonstriert dies sogleich durch Nutzung mehrerer Übersetzungsprogramme, die jedoch ungeahnte Schwierigkeiten mit "Blumenbeetbegrenzung", "Radladerreifenabdruck" oder auch "Krach durch Fliesenschneidemaschine" zu haben scheinen. Als Krücke für den lahmenden Linguisten gedacht, entpuppen sich die Translator allesamt als fast unbrauchbar,lediglich die Idee einer Lösung gebend, den tatsächlich wiederzugebenden Inhalt bestenfalls tangierend.
Der Herr Demian zeigt sich enttäuscht, möchte aber auch dem alten Haus den Gefallen nicht verweigern.
Also Hand- und Kopfarbeit. Mist.
"Sehr geehrte Bauleitung..." liest er also und kramt in Gedächtnis, Sprachenlexikon und Google nach den iberischen Äquivalenten.
3 Stunden später ist's vollbracht, das Schriftstück übersetzt, Demian geschlaucht und genervt, weil es fast ausschliesslich aus irgendwelchen Fachbegriffen bestand, und es wird hell. Draussen.
Etwa so hell wie in Demian's Köpfchen,wo sich ein Geistesblitz rasant ausweitet und ausgerechnet in die Gehirnzelle "Gegenchecken durch Übersetzungsprogramm" einschlägt.
Gedacht,getan. Schnell das Schreiben eingetippt und heraus kam...?
Naaaa?